Jahara heißt „Edelstein“ – ein Artikel von Ariana Brunschwiler

Mein Blick schweift vom kleinen Warmwasserpool immer wieder auf die Palmen, die sich sanft im Wind wiegen. Weit draußen kräuselt sich leise das Wasser des Meeres. Ständig wechseln die Farbtöne in der unendlichen Weite dieses Ozeans. Ein weiterer Tag im Paradies! Mein Herz ist voller Dankbarkeit, dass ich an diesem schönen Ort in Minakshi’s Island Studio in Florida, die Jahara® Technik weiter einstudieren darf. Es ist ein Privileg und eine Freude für mich in dieser Umgebung, mit guten Freunden zusammen, eine für mich neue Form der Wasserarbeit kennen lernen zu dürfen.

Die erste Woche war eine Wiederholung für mich – Jahara® Basics. Minakshi hat den Unterricht auf ihre einmalig geduldige und präzise Art und Weise geleitet. Worum geht es in diesem Grundkurs der Jahara® Technik eigentlich? Zwei Dinge scheinen mir besonders erwähnenswert zu sein, da sie sowohl im Watsu wie im WasserTanzen weniger präzise Beachtung finden: ‚Body mechanics‘ (Körperbewusstsein) und ‚physical properties of water‘ (Gesetzmässigkeiten des Wassers). Ein wichtiger Teil, um dieses Verständnis zu vermitteln, sind die Schrittfolgen, die immer wieder einstudiert werden. Zum Beispiel: 1,2,3,4 Schritt, Schritt und drehen….wie oft habe ich das in den letzten Tagen gehört?…. bis es mir sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Auf den Füßen und Schritten baut die restliche Körperhaltung auf und schließlich die Art, wie sich der Körper zu diesen Schritten bewegt und dreht. Erstaunlich und neu war für mich, wie sehr sich die Körperhaltung der Jahara®-Technik von der breitbeinigen Watsu-Haltung unterscheidet. Das impliziert übrigens auch, dass der Jahara®-Spezialist in weniger tiefem Wasser arbeitet als ein Watsu Praktizierender.

Eine Besonderheit der Jahara® Technik ist, dass der Klient immer nur kopfwärts, nie jedoch fusswärts bewegt wird. Zu Beginn erscheint uns Watsu- und Wata-Praktizierenden diese Arbeitsweise etwas eigenartig. Doch mit der Zeit wird auch das selbstverständlicher, wenn wir uns dem sanften und stetigen Zug auf die Wirbelsäule bewusst werden. Mario erklärt später dazu, dass diese Bewegungsart außerdem organisch und natürlich sei, da sich in der Natur alle Tiere kopfwärts bewegen.

Ein weiteres Merkmal der Jahara® Technik ist ihre Langsamkeit. Jeder Millimeter der Bewegung wird präzise und klar ausgeführt. Die Absicht des Gebenden sich selber in einer optimalen Körperhaltung zu bewegen, unterstützt den Empfänger darin, seine eigenen Körpermuster zu öffnen und aufzulösen. Die Jahara® Technik baut dabei auf bekannten Methoden wie zum Beispiel der von Frederick Mathias Alexander (Alexander Technik) auf. Es ist nicht zu übersehen, dass ein gut ausgebildeter Jahara® Spezialist, große Anmut und Eleganz über seine Bewegungsart ausdrückt. Die ausgeführten Bewegungen mit dem Klienten sind dann eine natürliche Erweiterung der eigenen Bewegungen vom Steißbein bis hin zum Atlas.

Zu Beginn verlangt dies diszipliniertes Einstudieren und es heißt üben, üben, üben. Meine eigenen, über die Jahre einstudierten Körpermuster widerstehen anfänglich diesen neuen Impulsen. Doch mit der Zeit spüre ich, wie sich die Qualität meiner Bewegungen zu verändern beginnt. Das Arbeiten im Wasser wird anstrengungsloser, meine Körperhaltung beginnt sich zu entfalten und manchmal fühle ich diesen weiten Raum in meinem Inneren. Wenn ich so im Fluss bin, dann hat dies wiederum einen profunden Effekt auf den Partner in meinen Armen. Tiefe Stille, körperliche Öffnung, Ausdehnung und ein gesunder Muskeltonus werden von ihm dankbar entgegengenommen. So wird das Arbeiten mehr und mehr zu einem sinnlichen Genuss.

Der Kurs Jahara® Expansion ist eine natürliche Weiterentwicklung vom Basisverständnis der ersten Woche. Mario Jahara hat diesen Kurs mit Sanftheit und viel Herz selber unterrichtet. Als Kursteilnehmerin spüre ich, dass Mario seine Liebe und seine Lebensphilosophie in diese Form der Aquatischen Körperintegration („Aquatic Body Integration“) legt. Oft erinnert er uns an einen seiner Leitsätze, dass wahre Stärke und Kraft in der Sanftheit liegen (the power of gentleness). Wenn ich Mario zuschaue, wie er spricht, wie er sich bewegt, wie er arbeitet und wie er mit sich und seinen Schülern umgeht, dann kommt mir der Satz in den Sinn: „He really walks his talk!“

In diesem Aufbaukurs geht es darum, die Prinzipien der Jahara® Technik den verschiedenen Körpertypen anzupassen. Ganz anders als bei uns im Watsu und WasserTanzen verzichtet Mario gänzlich auf „Floats“ (Schwimmhilfen). Hingegen bedient er sich regelmäßig eines „Third Arms“ (einer „Noodle“) unter einem oder beiden Beinen des Empfängers. Da sein Hauptfokus auf optimaler Körperhaltung sowohl beim Gebenden als auch beim Empfänger liegt, erfordert dies ein gutes Gespür, welche „moves“ mit welchem Klienten körpergerecht ausgeführt werden können. In dieser zweiten Woche lernen wir auch, möglichst kreativ mit den zahlreichen Bewegungsmöglichkeiten umzugehen. Mario betont, dass es ihm nicht darum gehe, dass wir möglichst viele neue „moves“ auswendig lernen. Vielmehr wünscht er sich, dass wir die Prinzipien, die dieser Arbeit zugrunde liegen, verstehen lernen. Auf diesem Verständnis aufbauend sind wir eingeladen, unserer eigenen Kreativität Ausdruck zu verleihen.

Bild: Alice Rauch

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