Körperarbeit Kurs in Jena

Am 14. und 15. März gibt es in Jena wieder einen neuen Körperarbeitkurs mit mir. Ich freue mich schon darauf, neue Dinge auszuprobieren die ich im letzten Jahr gelernt habe wie zum Beispiel eine Traumreise zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Natürlich wiederhole ich auch die Dinge die sich in den letzten Jahren bewährt haben. Dazu gehört eine Massage, bei der wir den Körper durch Zug und Loslassen sanft zum Schwingen bringen. Wir werden einiges für die Entspannung unseres Nackens tun. Wir werden Embodimentübungen machen um unseren Körper besser spüren zu können. Und auch ein paar spielerische und tänzerische Elemente sind mit dabei. Alle Übungen gestalte ich so einfach, dass jeder sie gleich nach dem Kurs anwenden kann. Für sich selbst, für seine Familie oder im Beruf.

Ich erinnere mich noch gut an die Abschlussrunde meines zweitägigen Körperarbeit Seminars bei der Lebenshilfe Jena im letzten Jahr: Ich lege viele Fotokarten auf dem Fußboden aus mit den vielfältigsten Motiven. Jeder in der Runde sucht sich eine oder mehrere Karten aus.  Dabei zählt der jetzige Moment am Ende des Seminars. Jeder lässt sich von seinem Gefühl leiten, hier entscheidet mehr der Bauch als den Kopf… Heute ist die kleine Katze, die sich in der Sonne räkelt, eindeutiger Favorit.
Ich beobachte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei und schaue in entspannte strahlende Gesichter. Wieder einmal ärgere ich mich ein bisschen dass ich kein „Vorher Foto“ gemacht habe. Der Unterschied ist für mich sehr deutlich zu sehen: Menschen, die in ihrem Körper angekommen sind, leuchten von innen heraus. Es ist eine Schönheit, die mich tief beeindruckt. Ich wünsche mir sehr, dass sie dieses Leuchten mit in ihren Alltag nehmen können, um es sich dort etwas leichter, entspannter und angenehmer zu machen.
Ich staune zum wiederholten Male, wie schnell eine Gruppe zusammenwachsen kann. Menschen aus den unterschiedlichen Bereichen, die unterschiedlichsten Charaktere. Und ich frage mich ob es daran liegt, dass wir die letzten beiden Tage hauptsächlich über den Körper kommuniziert haben. Die Signale unseres Körpers sind eindeutiger als Worte. Wo der Atem fließt, da sind Vertrauen und Sicherheit. Wenn der Atem stockt, zeigt das Unsicherheit, Angst oder Stress. Anspannung zeigt sich durch Härte, Kälte und Nicht-fühlen-können. Entspannung fühlt sich warm und weich, wohlig und strömend an.
Von Worten wissen wir oft nicht, ob sie ehrlich gemeint sind. Unser Körper ist da viel wahrhaftiger. Seine Signale lügen nie. Wenn wir wieder lernen, ihm zuzuhören, kommen die erstaunlichsten Wahrheiten an die Oberfläche. Und wenn es dann noch jemanden gibt, der bereit ist, unserer Körpersprache zuzuhören, entstehen wahre Begegnungen. Begegnungen voller Achtsamkeit, in denen man einfach da ist, ohne dem anderen seine Erwartungen überzustülpen.
Es ist immer wieder ein Vergnügen, den Teilnehmern meines Kurses dabei zuzuschauen, wie sie sich im Laufe der beiden Seminartage begegnen. Wie langsam Anspannung und Aufregung von ihnen abfallen und sie sich auf ein entspanntes Miteinander einlassen.
Schon nach einem halben Tag ist das Zuschauen bei der Dehnmassage wie eine Art Meditation für mich. Sanfte Musik, Menschen die sich dabei behutsam bewegen, um die Grenzen ihres Gegenübers zu achten. Menschen, die beim Geben genau so viel Spaß entwickeln wie beim Nehmen. Menschen, die dabei auch immer wieder auf ihren eigenen Körper achten und auf die eigenen Grenzen. Denn nur wer in seinem eigenen Körper zu Hause ist, findet Freude an Körperarbeit. Nur wer seine eigenen Grenzen achtet, verletzt auch die Grenzen seines Gegenübers nicht.
Dabei kostet manche ungewohnte Bewegung wie zum Beispiel das Schütteln des ganzen Körpers beim ersten Mal etwas Überwindung und lockt so manchen aus der Komfortzone heraus. Um so mehr freue ich mich darüber, dass einige schon am Abend nach dem ersten Kurstag die ein oder andere Übung zu Hause mit ihren Liebsten ausprobierten.
Ich frage mich, warum es Körperarbeit nicht als Schulfach gibt. Aus meiner Zeit als Erzieherin im Kindergarten weiß ich, dass es Vorschulkindern noch leicht fällt, über ihren Körper zu kommunizieren. Diese wichtige Fähigkeit scheint ihnen dann im Laufe ihrer Schullaufbahn verloren zu gehen. Es ist schade, dass das Lernen in der Schule nur den Kopf bedient. Warum lernt uns keiner, welche Weisheit in unserem Körper verborgen liegt und wie wir den Zugang zu ihr erhalten? Warum lernt uns niemand, wie schön es ist, sich über den Körper zu begegnen? Warum nimmt uns keiner die Ängste und die Scham, die oft mit unserem Körper verbunden sind?
Eine Seminarteilnehmerin gab mir im letzten Jahr die Rückmeldung, dass sie an den beiden Tagen die Angst davor verloren hat, bei der Körperarbeit etwas falsch zu machen. Eine achtsame Berührung aus dem Herzen heraus benötigt keine Technik. Technik hilft lediglich dabei, die anfängliche Unsicherheit zu überwinden.
Ich schaue noch einmal in die strahlenden Gesichter in der Runde und freue mich daran, dass sie diesen Weg ein Stück mit mir gegangen sind. Ich freue mich an der Schönheit, die sie ausstrahlen und hoffe, mir dieses Gefühl ein Stück weit in meinen Alltag mitnehmen zu können.

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